Projektbeschreibung KfN

 

Projekt
„Klinisch-forensisches Netzwerk Steiermark“
Juli 2013 bis Dezember 2014

 

Problem: Wenn sich Betroffene von Gewalt trotz einer hohen Hemmschwelle entscheiden, eine polizeiliche Anzeige zu erstatten, ist für eine objektive Strafverfolgung aber eine zeitnahe und gerichtsverwertbare Dokumentation und Beweissicherung notwendig. Zur Zeit besteht die Möglichkeit, sich entsprechend untersuchen zu lassen allerdings nur im Rahmen der Klinisch-Forensischen Untersuchungsstelle der Medizinischen Universität Graz und des Ludwig Boltzmann Instituts für Klinisch-Forensische Bildgebung im Raum Graz. Mehr als die Hälfte der Vorfälle ereignen sich aber im restlichen Gebiet der Steiermark, womit der Zugang für diese Betroffenen bedeutend erschwert ist. Bestehende Institutionen (insbesondere Krankenhäuser) sollen im Rahmen dieses Projekts als regionale klinisch-forensische Anlaufstellen wirken und unter dem Dach eines Netzwerks bei der Dokumentation und Abklärung von körperlicher und sexueller Gewalt unterstützt werden.

Ziel des Projektes: Ziel des Klinisch-forensischen Netzwerkes Steiermark (KfNSteiermark) ist die flächendeckende Versorgung der Steiermark mit einem niederschwelligen Angebot für Betroffene von Gewalt zur verfahrensunabhängigen Untersuchung, gerichtsverwertbaren Befunddokumentation sowie Spurensicherung. Dazu sollen regionale klinisch-forensische Abklärungsstellen gegründet und in einem Netzwerk zusammengeschlossen werden, das deren Weiterentwicklung und Professionalisierung fördert und unterstützt. Ein Ziel des Netzwerks ist die Einführung einer einheitlichen und professionellen Vorgangsweise der forensischen Untersuchung und der Dokumentation nach demselben Standard. Zusätzlich soll das Netzwerk steirischen Ärzten sowie im weiteren zeitlichen Verlauf auch Behörden und anderen Institutionen als konsiliarische Unterstützung bei der Abklärung von gewaltverdächtigen Befunden dienen. Gewalttätiges Verhalten  im sozialen Umfeld soll dadurch bereits in seinen Ansätzen erkannt und verhindert werden. Durch die Sicherung einer objektiven Beweisgrundlage soll die Situation von Gewaltopfern im Gerichtsverfahren gestärkt werden. Die Steiermark könnte mit ihrem Modell eines Klinisch-forensischen Netzwerkes eine Vorreiterrolle in Österreich einnehmen, und nachfolgenden Bundesländern als Vorbild dienen.

Aufgaben und Methoden: Im Rahmen des Klinisch-forensischen Netzwerkes (KfN) sollen in der Steiermark flächendeckend Anlaufstellen für Gewaltbetroffene, aber auch für Ärzte, die mit Verdachtsmomenten betreffend körperliche/sexuelle Gewalt konfrontiert sind, eingerichtet werden, die klinisch-forensische Untersuchungen, Spurensicherung sowie eine ausführliche Dokumentation der Befunde anbieten. Dazu sollen insbesondere Partner-Krankenhäuser und -kliniken gewonnen werden, die über einen Notdienst und idealerweise gynäkologisches Fachwissen verfügen. Schulungen und gemeinsame Weiterbildung sowie ein interdisziplinärer Austausch zwischen den Institutionen des Netzwerks sollen eine hohe Qualität der Befunderhebung ermöglichen. Regelmäßig stattfindende Meetings sollen den Kontakt und den Informationsaustausch zwischen den involvierten Institutionen fördern. Eine steiermarkweite KfN-Hotline soll die steirische Ärzteschaft und Pflege bei der Abklärung körperlicher/sexueller Gewalt zusätzlich und rund um die Uhr unterstützen. Ein im Internet eingerichtetes, nur Mitgliedern des Netzwerkes zugängliches, Forum soll Raum für Diskussion bieten, sowie zielgerichtete Anfragen an – im Vorfeld schwerpunktmäßig gemäß den Kompetenzen ausgewiesenen – ExpertInnen ermöglichen. Das Projekt soll aus rechtlicher, medizinischer und sozialwissenschaftlicher Perspektive wissenschaftlich begleitet werden. Eine Evaluierung des Bedarfs und der Nutzung eines flächendeckenden,  klinisch-forensischen Untersuchungsangebots soll Daten und Fakten des gesamtheitlichen Nutzens in der Steiermark dokumentieren und damit auch eine längerfristige Finanzierung und Institutionalisierung erleichtern. Auf der Grundlage des Projektes sollen nationale und internationale Kooperationen sowie die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen zum Zwecke eines professionellen Erfahrungsaustausches im Bereich der klinischen Rechtsmedizin gefördert werden.